37 Grad Qualit�tsentwicklung im Gesundheitswesen

News Dezember 2014

Neue Bücher

37 Grad Online-Rezension: Gesundheitsängste

Hoefert, W. und Klotter, C. (Hrsg.) (2012): Gesundheitsängste. Lengerich: Pabst Science Publishers. ISBN 978-3-89967-755-3. 322 Seiten.

Der im Jahr 2012 erschienene Reader „Gesundheitsängste“ von Wolfgang Hoefert und Christoph Klotter beschäftigt sich mit einem überaus interessanten und naheliegenden Thema für unser Gesundheitssystem – den Gesundheitsängsten. Damit legen die Herausgeber eine Publikation vor, in der insgesamt 24 Autoren das Thema Ängste in 19 sehr lesenswerten, unterschiedlich ausführlichen Beiträgen behandeln. Die Betrachtung dieses Themas sowie dessen Bedeutung für die Betroffenen, für die Gesundheitsversorgung sowie für die Beteiligten im Gesundheitswesen kommt im wissenschaftlichen Schrifttum aktuell eher zu kurz. Umso erfreulicher daher, dass die Herausgeber dem Thema einen eigenen Reader widmen. Für die Herausgeber können „Gesundheitsängste, auch wenn sie nicht rational sein müssen, eine objektive Gefährdung darstellen und Menschen in einen Zustand versetzen, in dem sie beunruhigt sind und der dazu führen kann, dass diese vermehrt Leistungen des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen“ (S. 7).
Die Beiträge gliedern sich in die Großkapitel „Gesundheitsangst als historisches und kollektives Phänomen“, Umweltspezifische Gesundheitsängste“, Körperbezogene Gesundheitsängste“, „Körper und Ernährung“, „Der verletzliche Körper“, „Medien und Gesundheitsangst“, „Psychische Faktoren der Gesundheitsangst“ und „Therapeutische Interventionspunkte“. Der Reader stellt eine ausgewogene Mischung von Beiträgen mit und ohne konkreten Datenbezug dar. Empirische Ergebnisse (aus eigenen Auswertungen sowie zu den zum Thema in Deutschland vorliegenden Umfragestudien) werden ebenso dargestellt wie typologisierende oder deskriptive Darstellungen bis hin zu Fallstudien einzelner Krankheitsbilder. Lesenswert ist der Reader auch, weil er Bezugspunkte zu höchst aktuellen Themen wie Ernährung und Mediennutzung untersucht. Die Publikation „Gesundheitsängste“ wirkt wie ein gründliches und möglichst umfassendes Brainstorming zum Thema - was fehlt, ist mindestens ein Beitrag, der sich detailliert aus einer ökonomischen Perspektive mit den betriebs- oder volkswirtschaftlichen Aspekten von Gesundheitsängsten beschäftigt – wohl, weil die Kategorie „Angst“ noch nicht den Einzug in die gesundheitsökonomische Diskussion gefunden hat.

Der Reader Gesundheitsängste schließt eine wirkliche Lücke in der Literatur zum deutschen Gesundheitswesen, in dem er ein wichtiges Thema, sowohl für die Versorgung als auch aus systemischer Sicht aus unterschiedlichen Perspektiven sehr umfassend behandelt. Erfreulich, wenn man bedenkt, dass manche Themen doppelt, dreifach und mehr als genug in Readern und Monografien derart ausgepresst werden, dass man das Neue daran oft mit der Lupe suchen muss. Das ist hier eindeutig nicht der Fall. Damit ist der Reader ein Gewinn für jeden, der sich mit dem deutschen Gesundheitssystem beschäftigt. Er zeigt, wie vielfältig die Kategorie „Angst“ auf das Handeln aller Systemakteure wirkt. Schließlich hat der Reader mit 30 EUR einen Verkaufspreis, der ausgesprochen vernünftig gewählt ist und die Entscheidung leicht macht, ihn zu erwerben.